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Recht

Bestattungsrecht verständlich erklärt

Text: Redaktion Abschiedswunsch
Stand: Oktober 2026 · 6 Minuten Lesezeit

Bestattungsrecht ist in Deutschland überwiegend Landesrecht: Jedes der 16 Bundesländer hat ein eigenes Bestattungsgesetz, das Fristen, Bestattungspflicht, Friedhofszwang und erlaubte Bestattungsformen regelt. Bundesrecht bestimmt, wer die Kosten trägt (§ 1968 BGB), wie der Tod beurkundet wird (Personenstandsgesetz) und wann das Sozialamt zahlt (§ 74 SGB XII).

Stand: Oktober 2026

Wer eine Bestattung organisiert oder die eigene vorbereitet, stößt schnell auf Regeln aus drei Ebenen: Bund, Land und Gemeinde. Diese Seite ordnet sie, zeigt an Beispielen, wie stark sich die Länder unterscheiden, und führt zu den Einzelseiten mit allen Details und Quellen.

Warum regeln die Länder das Bestattungsrecht?

Das Grundgesetz weist das Friedhofs- und Bestattungswesen nicht dem Bund zu. Nach Art. 70 GG haben die Länder das Recht der Gesetzgebung, soweit das Grundgesetz nicht dem Bund Befugnisse verleiht. Deshalb gibt es 16 Landesbestattungsgesetze, ergänzt durch Verordnungen der Länder.

Die Folge: Ob eine Urne zu Hause stehen darf, wie schnell nach dem Tod bestattet werden muss oder ob ein Sarg Pflicht ist, hängt davon ab, wo die Bestattung stattfindet. Einen Vergleich aller Länder bietet die Seite Bestattungsgesetze der Bundesländer im Vergleich.

Welche Regeln kommen vom Bund, welche vom Land?

EbeneWas dort geregelt istBeispiele
BundKosten, Erbe, Beurkundung, Sozialhilfe, SteuernErben tragen die Beerdigungskosten (§ 1968 BGB); Ausschlagung binnen sechs Wochen (§ 1944 BGB); Sterbefallanzeige spätestens am dritten Werktag (§ 28 PStG); Sozialbestattung (§ 74 SGB XII); Pauschbetrag für Nachlassverbindlichkeiten (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG)
LandAblauf der BestattungLeichenschau, Bestattungsfristen, Bestattungspflicht und Rangfolge, Friedhofszwang, Sargpflicht, Feuerbestattung, Mindestruhezeit
Gemeinde, FriedhofsträgerFriedhof vor OrtFriedhofssatzung (Grabarten, Ruhezeit, Gestaltung) und Gebührensatzung
GewohnheitsrechtTotenfürsorgeWer über Art und Ort der Bestattung entscheidet (BGH, 26.02.1992, XII ZR 58/91)

Was die Friedhofsgebühren in deutschen Städten ausmachen, zeigt unser Ratgeber Friedhofsgebühren.

Welche Fristen gelten nach einem Todesfall bundesweit?

Neben den Bestattungsfristen der Länder laufen bundesrechtliche Fristen, die Angehörige kennen sollten:

WasFristRechtsgrundlage
Sterbefall beim Standesamt anzeigenspätestens am dritten Werktag nach dem Tod§ 28 PStG
Testament beim Nachlassgericht abliefernunverzüglich, sobald man vom Tod erfährt§ 2259 BGB
Erbe ausschlagensechs Wochen ab Kenntnis vom Erbfall§ 1944 BGB
Erbfall dem Finanzamt anzeigenbinnen drei Monaten ab Kenntnis§ 30 ErbStG

Die Sterbefallanzeige übernimmt meist das Bestattungshaus. Wer erwägt, das Erbe auszuschlagen, sollte die sechs Wochen im Blick behalten: Die Ausschlagung befreit von den Schulden des Nachlasses, nach dem Recht vieler Länder aber nicht von der Pflicht, die Bestattung zu veranlassen.

Was regeln die Landesgesetze zur Leichenschau?

Jeder Todesfall muss ärztlich festgestellt werden. Die Ärztin oder der Arzt untersucht die verstorbene Person und stellt die Todesbescheinigung aus. Einzelheiten wie Fristen für die Leichenschau regeln die Länder. Vor einer Einäscherung ist zusätzlich eine zweite, amtliche Leichenschau vorgeschrieben. Sie soll ausschließen, dass ein unnatürlicher Tod unerkannt bleibt, denn nach der Einäscherung lässt er sich nicht mehr nachweisen.

Wie unterschiedlich sind die Länder?

Drei Beispiele zeigen die Spannweite.

Nordrhein-Westfalen

Erdbestattung frühestens 24 Stunden nach dem Tod. Erdbestattung oder Einäscherung binnen zehn Tagen, die Urne binnen sechs Wochen beisetzen (§ 13 BestG NRW). Mehr unter Bestattungsgesetz NRW.

Rheinland-Pfalz

Seit 27. September 2025 das liberalste Recht: Urne zu Hause, Asche auf Privatgrundstücken, Flussbestattung in Rhein, Mosel, Saar und Lahn. Voraussetzung sind der letzte Hauptwohnsitz im Land und eine schriftliche Totenfürsorgeverfügung.

Bremen

Seit 2015 darf Asche auf einem privaten Grundstück ausgebracht werden, wenn die verstorbene Person dort ihren letzten Hauptwohnsitz hatte, es schriftlich verfügt hat und der Eigentümer zustimmt (§ 4 Abs. 1a Bremisches Friedhofs- und Bestattungsgesetz).

Für Bayern gelten wieder eigene Fristen und Regeln, zusammengefasst unter Bestattungsgesetz Bayern.

Wer muss sich um die Bestattung kümmern?

Hier greifen zwei Regeln ineinander, die oft verwechselt werden:

  • Bestattungspflicht (Landesrecht): Sie legt fest, wer die Bestattung veranlassen muss. Die Landesgesetze nennen dafür eine Rangfolge der Angehörigen, meist beginnend mit Ehe- oder Lebenspartner und Kindern. Die genaue Reihenfolge unterscheidet sich je Land.
  • Kostentragung (Bundesrecht): Bezahlen müssen in erster Linie die Erben (§ 1968 BGB). Wer bestattungspflichtig ist, aber nicht erbt, kann sich die Kosten von den Erben zurückholen.
1Die Erbenzahlen aus dem Nachlass (§ 1968 BGB)
reicht nicht oder ausgeschlagen
2Die Bestattungspflichtigenmeist Ehepartner, dann Kinder, nach Landesrecht
nicht zumutbar
3Das Sozialamtübernimmt die erforderlichen Kosten (§ 74 SGB XII)
Wer die Kosten einer Bestattung trägt, in dieser Reihenfolge.

Kümmert sich niemand, veranlasst die Ordnungsbehörde die Bestattung und fordert die Kosten von den Pflichtigen zurück. Ist Zahlen unzumutbar, übernimmt das Sozialamt die erforderlichen Kosten (§ 74 SGB XII). Einzelheiten stehen unter Bestattungspflicht, Wer zahlt die Beerdigung? und Erbe ausgeschlagen: Wer zahlt dann?

Wo darf man bestattet werden?

In Deutschland gilt grundsätzlich der Friedhofszwang. Leichname und Urnen werden auf Friedhöfen beigesetzt, dazu zählen auch genehmigte Bestattungswälder. Die Seebestattung ist eine anerkannte Ausnahme. Bremen und Rheinland-Pfalz erlauben für die Asche weitere Ausnahmen.

Was erlaubt ist und wo genau die Grenzen liegen, erklären Friedhofszwang, Darf man die Urne zu Hause aufbewahren? und Darf man Asche verstreuen?

Wie lange bleibt ein Grab bestehen?

Die Länder legen eine Mindestruhezeit fest, in Rheinland-Pfalz zum Beispiel 15 Jahre. Die tatsächliche Ruhezeit und die Laufzeit des Nutzungsrechts bestimmt die Friedhofssatzung. Bei Wahlgräbern lässt sich das Nutzungsrecht meist verlängern, bei Reihengräbern in der Regel nicht.

Alles zu Laufzeit, Verlängerung und Übertragung steht unter Grabnutzungsrecht. Kurzantworten geben Wie lange ist die Ruhezeit? und Was passiert nach Ablauf der Ruhezeit?

Wer entscheidet über Art und Ort der Bestattung?

Das Totenfürsorgerecht steht in keinem Gesetz. Es ist von der Rechtsprechung entwickelt. Nach dem Bundesgerichtshof zählt zuerst der Wille der verstorbenen Person. Sie kann auch jemanden außerhalb der Familie mit der Totenfürsorge betrauen. Fehlt ein erkennbarer Wille, entscheiden die nächsten Angehörigen (BGH, Urteil vom 26.02.1992, XII ZR 58/91).

Wer Streit vermeiden will, hält seine Wünsche schriftlich fest. Wie das geht, zeigen Totenfürsorge und Bestattungsverfügung: Vorlage und Ausfüllhilfe. In Rheinland-Pfalz ist eine schriftliche Totenfürsorgeverfügung sogar Voraussetzung für die neuen Bestattungsformen.

Alle Seiten zum Bestattungsrecht

ThemaDarum geht es
Bestattungsgesetze der BundesländerFristen, Sargpflicht, Urne und Friedhofszwang in allen 16 Ländern
Bestattungsgesetz NRWdie wichtigsten Regeln in Nordrhein-Westfalen
Bestattungsgesetz Bayerndie wichtigsten Regeln in Bayern
Bestattungspflichtwer sich kümmern muss, Rangfolge je Land
Friedhofszwangwas erlaubt ist und wo es Ausnahmen gibt
GrabnutzungsrechtLaufzeit, Verlängerung, Übertragung
Sozialbestattungwann das Sozialamt zahlt
Checkliste Todesfallalle Fristen nach dem Tod mit Rechtsgrundlage

Häufige Fragen

Kann ich mich in einem anderen Bundesland bestatten lassen?

Ja, eine Überführung in ein anderes Land ist möglich. Für die Sonderformen in Rheinland-Pfalz gilt das aber nicht: Dort muss die verstorbene Person ihren letzten Hauptwohnsitz gehabt haben, so das Landesgesundheitsministerium.

Wo finde ich das Bestattungsgesetz meines Landes?

In den amtlichen Rechtsportalen der Länder, etwa recht.nrw.de oder gesetze-bayern.de. Die wichtigsten Unterschiede fasst unsere Seite Bestattungsgesetze im Vergleich zusammen.

Kann ich Bestattungskosten von der Steuer absetzen?

Unter Umständen ja, als außergewöhnliche Belastung, soweit der Nachlass die Kosten nicht deckt. Bei der Erbschaftsteuer gilt ohne Nachweis ein Pauschbetrag von 10.300 Euro für Bestattung, Grabmal und Grabpflege (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG). Mehr unter Beerdigungskosten von der Steuer absetzen.

Ändern sich die Gesetze gerade?

Ja. Rheinland-Pfalz hat sein Gesetz 2025 grundlegend erneuert, andere Länder diskutieren Lockerungen. Wir aktualisieren die Seiten, sobald ein neues Gesetz gilt, nicht schon bei Entwürfen.

  1. Art. 70 Grundgesetz, Bundesministerium der Justiz
  2. § 1968 BGB, § 1944 BGB, § 28 PStG, § 74 SGB XII, § 10 ErbStG, § 30 ErbStG, § 2259 BGB
  3. Bestattungsgesetz NRW, recht.nrw.de
  4. Häufig gestellte Fragen zum neuen Bestattungsrecht, Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz, Januar 2026
  5. Rheinland-pfälzisches Bestattungsgesetz tritt in Kraft, epd/evangelisch.de, 26.09.2025
  6. FAQ Ausnahme vom Friedhofszwang, Senator für Umwelt Bremen; Bremer dürfen Totenasche im eigenen Garten ausstreuen, epd, 21.11.2014
  7. BGH, Urteil vom 26.02.1992, XII ZR 58/91

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