Eine Sterbegeldversicherung ist eine kleine Lebensversicherung auf den Todesfall, meist über 4.000 bis 10.000 Euro. Sie zahlt nach dem Tod eine feste Summe an eine Person Ihrer Wahl. Die Stiftung Warentest empfiehlt sie nur sehr eingeschränkt, weil viele Versicherte über die Jahre mehr einzahlen, als später ausgezahlt wird. Sinnvoll ist sie vor allem bei früherem Abschluss und wenig Erspartem.
Stand: Oktober 2026
Sterbegeldversicherungen werden viel beworben, oft mit Angeboten ohne Gesundheitsfragen. Ob sich eine Police für Sie rechnet, hängt vor allem vom Alter bei Abschluss, von der Beitragsdauer und von Ihren Alternativen ab. Diese Seite erklärt, wie die Versicherung funktioniert, was die Wartezeit bedeutet und wo die Kritik ansetzt. Einzelne Tarife vergleichen wir nicht: Abschiedswunsch ist kein Versicherungsvermittler.
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So funktioniert eine Sterbegeldversicherung
Sie zahlen einen monatlichen Beitrag. Stirbt die versicherte Person, zahlt der Versicherer die vereinbarte Versicherungssumme an die bezugsberechtigte Person aus, also an den Menschen, den Sie im Vertrag eingetragen haben. Nach Angaben der Verbraucherzentrale liegen die Versicherungssummen meist zwischen 4.000 und 10.000 Euro. Angeboten werden die Policen von Lebensversicherern und von Sterbekassen.
Die Beitragsdauer ist je nach Vertrag unterschiedlich: 10 Jahre, 20 Jahre oder lebenslang. Der Versicherungsschutz gilt laut Stiftung Warentest bis zum Lebensende, auch wenn die Beitragszahlung vorher endet. Je älter Sie bei Abschluss sind, desto höher ist der Beitrag, weil das Risiko des Versicherers steigt.
Wartezeit: Was in den ersten Jahren gilt
Viele Tarife verzichten auf Gesundheitsfragen. Im Gegenzug gibt es eine Wartezeit. Stirbt die versicherte Person in dieser Zeit, zahlt der Versicherer nicht die volle Summe. Die Stiftung Warentest hat 2024 insgesamt 32 Angebote untersucht:
| Art des Angebots | Anzahl im Test | Schutz am Anfang |
|---|---|---|
| Mit Gesundheitsprüfung | 5 | sofort voller Schutz, keine Wartezeit |
| Ohne Gesundheitsfragen | 27 | Wartezeit von 1, 2 oder 3 Jahren |
Während der Wartezeit leisten manche Versicherer anteilig. Bei Tod durch Unfall zahlen manche Tarife schon in der Wartezeit die volle Summe. Prüfen Sie diese Regel in den Bedingungen, bevor Sie unterschreiben. Mehr dazu im Ratgeber Sterbegeldversicherung ohne Gesundheitsprüfung.
Was Sie einzahlen und was ausgezahlt wird
Die Stiftung Warentest hat für eine 65-jährige Person mit 7.000 Euro Versicherungssumme und 20 Jahren Beitragszahlung Monatsbeiträge von 39 bis 53 Euro ermittelt. Über 20 Jahre sind das 9.360 bis 12.720 Euro, also deutlich mehr als die vereinbarte Versicherungssumme. Eine Überschussbeteiligung kann die Auszahlung erhöhen, ist aber nicht fest zugesagt.
Daraus ergibt sich ein Kipppunkt: Bei 53 Euro im Monat haben Sie die 7.000 Euro nach rund 11 Jahren eingezahlt, bei 39 Euro nach rund 15 Jahren. Wer mit 65 abschließt und älter als 76 bis 80 Jahre wird, zahlt in diesem Beispiel mehr ein, als fest vereinbart ausgezahlt wird. Zum Vergleich: Die durchschnittliche fernere Lebenserwartung einer 65-jährigen Person liegt in Deutschland bei 18,0 Jahren bei Männern und 21,1 Jahren bei Frauen (Statistisches Bundesamt, Sterbetafel 2023/2025).
Mit Ihren eigenen Zahlen rechnet der Sterbegeld-Check:
Die Kritik von Stiftung Warentest und Verbraucherzentrale
Die Stiftung Warentest fasst ihren Test vom Januar 2024 so zusammen: Sterbegeldversicherungen seien „aus finanzieller Perspektive nur für wenige Menschen sinnvoll“. Finanziell attraktiver sei in der Regel das Sparen auf einem Tagesgeld- oder Sperrkonto. Wer das Ende der Beitragszahlung erlebt, zahlt laut Test in der Regel mehr ein, als die Angehörigen erhalten.
Die Verbraucherzentrale rät, im Rentenalter oder kurz davor keine Sterbegeldversicherung mehr abzuschließen, weil spät Abschließende oft draufzahlen. Sie weist außerdem auf ein Risiko hin, das viele nicht kennen: Sterbekassen haben keinen Insolvenzschutz wie Lebensversicherer. Ein aktuelles Beispiel ist die Bochumer Sterbekasse BVaG. Ihr hat die Finanzaufsicht BaFin 2026 die Geschäftserlaubnis entzogen. Für die rund 120.000 Mitglieder ist laut Verbraucherzentrale mit Leistungskürzungen zu rechnen.
Wer das Geld bekommt und wofür es verwendet wird
Die Versicherungssumme geht an die bezugsberechtigte Person. Sie ist rechtlich nicht verpflichtet, das Geld für die Bestattung zu verwenden. Wer sichergehen will, kann die Ansprüche an ein Bestattungshaus abtreten und die Versicherung so mit einem Bestattungsvorsorgevertrag verbinden. Was gilt, wenn das nicht geschehen ist, erklärt die Frage Muss Sterbegeld für die Beerdigung verwendet werden?.
Zwei rechtliche Punkte sprechen für die Versicherung:
- Schutz vor Pfändung: Ansprüche aus einer Lebensversicherung, die nur auf den Todesfall abgeschlossen ist, sind bis zu einer Versicherungssumme von 5.400 Euro grundsätzlich unpfändbar (§ 850b Abs. 1 Nr. 4 ZPO).
- Sozialhilfe: Beiträge für ein angemessenes Sterbegeld können als Bedarf anerkannt werden, wenn der Vertrag schon vor Beginn der Hilfebedürftigkeit bestand (§ 33 Abs. 2 SGB XII).
Für wen sich eine Sterbegeldversicherung lohnt
Passt eher, wenn …
- Sie früh abschließen und kurze Beitragsdauer wählen,
- Sie kein Erspartes für die Bestattung haben, aber kleine Monatsbeträge zahlen können,
- Sie fürchten, dass Erspartes vorher für anderes ausgegeben wird, oder Pfändungsschutz brauchen,
- die Gesundheit eine Risikolebensversicherung ausschließt und Sie die Wartezeit bewusst einkalkulieren.
Passt eher nicht, wenn …
- Sie erst im Rentenalter abschließen und lange Beiträge zahlen würden,
- Sie den Betrag schon angespart haben,
- Sie nicht nur Geld hinterlassen, sondern Ihre Bestattung verbindlich festlegen wollen,
- der Anbieter eine Sterbekasse ist und Sie das fehlende Sicherungssystem nicht tragen möchten.
Wenn Sie zwischen Versicherung und Vorsorgevertrag schwanken, hilft unser Entscheidungsbaum im Vergleich Sterbegeldversicherung oder Vorsorgevertrag?. Alle Wege der Vorsorge stellt der Ratgeber Bestattungsvorsorge vor.
Häufige Fragen
Ist eine Sterbegeldversicherung mit 70 oder 80 noch sinnvoll?
Je später der Abschluss, desto höher der Beitrag und desto eher zahlen Sie mehr ein, als ausgezahlt wird. Die Verbraucherzentrale rät im Rentenalter vom Abschluss ab. Beispielrechnungen nach Alter finden Sie im Ratgeber Sterbegeldversicherung ab 60, 70, 80.
Was passiert, wenn ich die Beiträge nicht mehr zahlen kann?
Viele Verträge erlauben eine Stundung, eine Beitragsfreistellung oder eine niedrigere Versicherungssumme. Die Stiftung Warentest hat diese Flexibilität in ihrem Test als Kriterium bewertet. Prüfen Sie die Regeln vor Abschluss.
Wie lange haben Angehörige Zeit, das Sterbegeld zu beantragen?
Die Verjährungsfrist beträgt laut Stiftung Warentest in der Regel drei Jahre. Für den Antrag brauchen Hinterbliebene meist die Sterbeurkunde und den Versicherungsschein.
Warum nennt Abschiedswunsch keine Testsieger?
Wir sind kein Versicherungsvermittler und dürfen keine Tarife empfehlen. Wir erklären, wie die Produkte funktionieren, und vermitteln auf Wunsch eine Beratung zum Vorsorgevertrag bei Bestattungshäusern aus unserem Partnernetz.
- Vorsorge für die Bestattung: Eine Sterbegeldversicherung ist selten sinnvoll, Stiftung Warentest, 17.01.2024, Korrektur 30.01.2024
- Sterbegeldversicherungen: Nur für wenige sinnvoll, Pressemitteilung Stiftung Warentest, 17.01.2024 (Finanztest 02/2024)
- Sterbegeldversicherungen rechnen sich oft nicht, Verbraucherzentrale, Stand 12.08.2026
- Bundessozialgericht, Urteil vom 13.12.2005, B 1 KR 4/05 R, Wegfall des Sterbegeldes zum 1. 1. 2004, lexetius.com
- § 850b ZPO, Bedingt pfändbare Bezüge, gesetze-im-internet.de
- § 33 SGB XII, Bedarfe für die Vorsorge, gesetze-im-internet.de
- Sterbetafel 2023/2025: fernere Lebenserwartung mit 65 Jahren, Statistisches Bundesamt (Destatis), veröffentlicht 07.07.2026
Abschiedswunsch ist kein Versicherungsvermittler und gibt keine Tarifempfehlungen. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung.