Bei einer Diamantbestattung wird aus dem Kohlenstoff der Asche unter hohem Druck und hoher Hitze ein synthetischer Diamant hergestellt. Die Einäscherung findet in Deutschland statt, die Herstellung bei spezialisierten Anbietern im Ausland, etwa in der Schweiz. Ausdrücklich erlaubt ist die Diamantbestattung seit September 2025 nur in Rheinland-Pfalz.
Stand: Oktober 2026
Ein Erinnerungsdiamant ist für manche Familien ein Weg, einen Menschen nah bei sich zu behalten. Rechtlich ist er in Deutschland aber eine Ausnahme. Diese Seite erklärt den Ablauf, die Rechtslage je Bundesland und die offenen Fragen, die Sie vorher klären sollten.
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Wie entsteht ein Diamant aus Asche?
- Einäscherung in Deutschland Der Bestatter veranlasst die Feuerbestattung mit zweiter Leichenschau wie bei jeder Urnenbeisetzung.
- Überführung der Asche Die Asche geht an den Hersteller. Außerhalb von Rheinland-Pfalz geschieht das über eine Überführung ins Ausland, meist in die Schweiz.
- Kohlenstoff gewinnen Der Hersteller trennt den Kohlenstoff aus der Asche. Laut einem Bericht des Schweizer Beobachters braucht ein Anbieter dafür mindestens 500 Gramm Asche.
- Pressen In einer Hochdruckpresse wächst aus dem Kohlenstoff in einigen Wochen ein Rohdiamant.
- Schleifen und Übergabe Der Stein wird geschliffen und an die Familie übergeben. Vom Auftrag bis zur Übergabe vergingen laut Beobachter rund vier Monate.
Die Farbe reicht von weiß bis bläulich, je nach Spurenelementen in der Asche. Den genauen Farbton kann niemand vorher zusagen.
Ist die Diamantbestattung in Deutschland erlaubt?
Für Asche gilt in Deutschland grundsätzlich die Friedhofspflicht. Das Bestattungsrecht ist Landesrecht, deshalb hängt die Antwort vom letzten Wohnsitz ab:
| Land | Rechtslage (Stand Oktober 2026) |
|---|---|
| Rheinland-Pfalz | Seit 27.09.2025 erlaubt. Voraussetzung: letzter Wohnsitz im Land und eine schriftliche Totenfürsorgeverfügung zu Lebzeiten, die eine verantwortliche Person benennt. |
| Sachsen-Anhalt | Seit 01.05.2026 dürfen bis zu 5 Gramm Asche vor dem Verschließen der Urne für Schmuck oder andere Erinnerungsstücke entnommen werden, wenn die verstorbene Person nicht widersprochen hat und die Beisetzung im Land stattfindet. Ob diese Menge für einen Diamanten reicht, hängt vom Hersteller ab; laut Beobachter verlangt ein Anbieter deutlich mehr. |
| Sachsen | Ein Gesetzentwurf der Landesregierung (März 2026) sieht vor, einen Teil der Asche als Erinnerungsstück behalten zu dürfen. Das Kabinett gab ihn am 24.03.2026 zur Anhörung frei; einen Beschluss des Landtags haben wir bis Oktober 2026 nicht gefunden. |
| Übrige Länder | Keine ausdrückliche Regelung. Familien nutzen den Weg über eine Überführung ins Ausland. Ob dieser Weg im Einzelfall zulässig ist, klärt der Bestatter mit der zuständigen Behörde. |
In der Schweiz dürfen Angehörige laut Beobachter grundsätzlich frei über die Asche verfügen, solange sie den letzten Willen achten. Deshalb arbeiten deutsche Bestatter mit Schweizer Herstellern zusammen.
Welche Fragen sollten Sie vorher klären?
- Was passiert mit der übrigen Asche? Bei rund zwei Kilogramm Asche wird nur ein Teil verarbeitet. Klären Sie, ob der Rest beigesetzt oder zurückgegeben wird und wo.
- Wie wird die Zuordnung gesichert? Fragen Sie nach dem Kennzeichnungsverfahren und einem Herkunftsnachweis.
- Wer erhält den Diamanten? Legen Sie in Ihrer Verfügung fest, wer den Stein bekommt. Das vermeidet Streit unter Erben.
- Was kostet die Größe? Der Preis steigt mit Karat und Schliff. Beim Schweizer Hersteller Algordanza kostet ein Diamant aus Asche laut Preisliste Deutschland 2025 zwischen 4.950 Euro (Rohdiamant, 0,40 Karat) und 22.550 Euro (geschliffen, 1 Karat), inklusive Mehrwertsteuer. Der Hersteller setzt dafür 250 Gramm Asche an.
Eine Aufstellung der Kosten finden Sie unter Was kostet eine Diamantbestattung?
Für wen passt eine Diamantbestattung?
Passt, wenn …
- Ihre Angehörigen ein greifbares Erinnerungsstück statt eines Grabes wünschen.
- Sie in Rheinland-Pfalz wohnen und eine Totenfürsorgeverfügung erstellen.
- Die Familie sich einig ist, wer den Stein bekommt.
Passt nicht, wenn …
- Mehrere Angehörige einen Ort zum Trauern brauchen.
- Ihr Glaube eine Einäscherung oder eine Teilung der Überreste ausschließt.
- Rechtliche Unsicherheit Sie oder Ihre Familie belasten würde.
Wer etwas zum Anfassen möchte und trotzdem einen Ort, kann beides verbinden: eine Urnenbeisetzung, siehe Urnenbestattung, und in Sachsen-Anhalt ein kleines Erinnerungsstück aus der Asche. Alle Formen zeigt Bestattungsarten im Überblick.
Wie legen Sie eine Diamantbestattung fest?
Schreiben Sie den Wunsch ausdrücklich in eine Bestattungsverfügung. In Rheinland-Pfalz braucht es dafür die vorgeschriebene Totenfürsorgeverfügung mit Namen, Anschrift und Geburtsdatum der verantwortlichen Person. Mit einem Bestattungsvorsorgevertrag legen Sie Hersteller und Kosten fest, damit Ihre Familie im Trauerfall nichts suchen muss.
Häufige Fragen
Darf ich die Urne zu Hause behalten statt eines Diamanten?
Nur in Rheinland-Pfalz unter Voraussetzungen. Mehr dazu unter Darf man die Urne zu Hause aufbewahren?
Ist ein Erinnerungsdiamant ein echter Diamant?
Ja, er besteht aus Kohlenstoff mit Diamantgitter wie ein natürlicher Diamant. Er ist synthetisch hergestellt, nicht in der Erde gewachsen.
Kann man auch aus Haaren einen Diamanten herstellen?
Manche Anbieter verarbeiten auch Haare. Dafür ist keine Asche nötig, die Bestattung kann ganz normal stattfinden.
- Novellierung des Bestattungsgesetzes Rheinland-Pfalz, Bundesverband Deutscher Bestatter, 2025
- Bestattungsrecht: Mehr Freiheit beim Abschied, Stiftung Warentest, 02.10.2025
- Novellierung des Bestattungsgesetzes Sachsen-Anhalt, Bundesverband Deutscher Bestatter, 2025
- Hessen und Sachsen-Anhalt reformieren das Bestattungsrecht, WEKA, 25.11.2025
- Sachsen will Sargpflicht lockern, evangelisch.de (epd), 24.03.2026
- Der letzte Schliff, Beobachter (Schweiz), 14.09.2010; Mengen, Dauer und Preise können sich seither geändert haben
- Bestattungsarten, allianz.de, abgerufen 10/2026 (Zweitquelle zu Diamanten aus Haaren)
- Tarif Deutschland, Erinnerungsdiamanten, Algordanza Erinnerungsdiamanten GmbH, gültig ab 01/2025, Preise inkl. 19 % MwSt. (Anbieterpreise)
- Kabinett gibt Entwurf des novellierten Bestattungsgesetzes zur Anhörung frei, Sächsische Staatsregierung, Medienservice, 24.03.2026; Landtagsbeschluss bei Prüfung am 17.10.2026 nicht gefunden