Eine muslimische Bestattung ist eine Erdbestattung: Der Verstorbene wird rituell gewaschen, in weiße Tücher gehüllt, nach dem Totengebet möglichst rasch beigesetzt und im Grab auf die rechte Seite mit dem Gesicht Richtung Mekka gelegt. In Deutschland ist das heute auf vielen Friedhöfen mit islamischen Grabfeldern möglich. Fast alle Bundesländer erlauben dabei die Bestattung im Tuch ohne Sarg.
Stand: Oktober 2026
Früher wurden laut Aeternitas über 90 Prozent der in Deutschland verstorbenen Muslime in ihre frühere Heimat überführt. Dieser Anteil ist deutlich gesunken, viele Familien wünschen sich heute ein Grab in der Nähe. Diese Seite erklärt den Ablauf, die Rechtslage und die Vorsorge. Religiöse Fragen im Einzelfall beantwortet Ihre Gemeinde oder Ihr Imam.
Für wen möchten Sie vorsorgen?
- Kostenlos und unverbindlich
- Bestattungshaus in Ihrer Nähe
- Daten nur an dieses Haus
Wie läuft eine islamische Bestattung ab?
- Nach dem Tod Die Augen werden geschlossen, Familie und Gemeinde werden benachrichtigt. Der Bestatter kümmert sich um Totenschein und Sterbeurkunde.
- Rituelle Waschung Muslime gleichen Geschlechts waschen den Verstorbenen nach einer festen Abfolge, in ungerader Zahl von Waschgängen. Waschräume werden laut Aeternitas vermehrt eingerichtet. Wo keiner vorhanden ist, finden Gemeinde und Bestatter meist eine pragmatische Lösung.
- Leichentuch Der Verstorbene wird in weiße, schlichte Baumwolltücher gehüllt, nach überlieferter Praxis drei für Männer und fünf für Frauen.
- Totengebet Die Gemeinde spricht das Totengebet stehend, mit Blick Richtung Mekka, meist in der Moschee oder auf dem Friedhof.
- Beisetzung Der Verstorbene wird auf die rechte Seite gelegt, das Gesicht nach Mekka. Die Bestattung soll so bald wie möglich stattfinden, möglichst innerhalb eines Tages.
- Grab Das Grab ist schlicht. Viele Familien wählen einen Stein mit Namen, Daten und einem Koranvers.
Was erlaubt das deutsche Recht?
Das Bestattungsrecht ist Landesrecht. Drei Punkte sind für muslimische Familien besonders wichtig:
- Bestattung ohne Sarg: Fast alle Länder erlauben die Tuchbestattung aus religiösen Gründen, Sachsen-Anhalt seit Mai 2026. In Sachsen gilt die Sargpflicht noch ohne Ausnahme. Für den Transport bis zum Grab ist überall ein Sarg vorgeschrieben. Die Übersicht je Land steht unter Tuchbestattung: Bestattung ohne Sarg.
- Frühester Zeitpunkt: In Deutschland darf meist frühestens 48 Stunden nach dem Tod bestattet werden. Ausnahmen sind auf Antrag möglich, in Bayern etwa bei einem berechtigten Interesse (§ 18 Abs. 2 Bayerische Bestattungsverordnung). Der Bestatter stellt den Antrag bei der Gemeinde.
- Ruhezeit: Nach islamischem Verständnis soll ein Grab dauerhaft bestehen. Deutsche Friedhöfe vergeben Gräber aber befristet. Fragen Sie nach einem verlängerbaren Wahlgrab, siehe Grabnutzungsrecht.
Wo gibt es islamische Grabfelder?
Muslimische Gemeinschaften können meist keine eigenen Friedhöfe betreiben, weil ihnen der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts fehlt. Deshalb richten Städte eigene Grabfelder auf bestehenden Friedhöfen ein. Nach verschiedenen Angaben sind es laut Aeternitas einige hundert.
Ein neuer Weg entsteht in Wuppertal: Dort hat die Stiftung Islamischer Friedhof Wuppertal am 18. September 2026 den Grundstein für den ersten islamischen Friedhof der Stadt gelegt. Im ersten Bauabschnitt sollen rund 1.000 Grabstätten entstehen, fertig bis März 2027. Das berichtet der Zentralrat der Muslime in Deutschland.
Bestattung in Deutschland oder Überführung?
Grab in Deutschland
- Kinder und Enkel können das Grab besuchen.
- Kürzere Wege, oft schnellere Beisetzung.
- Grabrecht ist befristet, aber meist verlängerbar.
Überführung ins Herkunftsland
- Grab bei der Familie im Herkunftsland, oft ohne Befristung.
- Papiere, Flug und ein Leichenpass und meist ein verlöteter Zinksarg erfordern Zeit und Geld.
- Besuch für Angehörige in Deutschland schwieriger.
Was eine Überführung erfordert, erklärt Bestattung im Heimatland: Überführung ins Ausland.
Für wen passt welche Form?
Grab in Deutschland passt, wenn …
- Ihre Familie dauerhaft hier lebt und das Grab besuchen möchte.
- Es in Ihrer Nähe ein islamisches Grabfeld gibt.
- Sie die Tuchbestattung nach Landesrecht nutzen können.
Eher nicht, wenn …
- Ihnen ein unbefristetes Grab sehr wichtig ist und kein verlängerbares Wahlgrab angeboten wird.
- Der nächste Friedhof mit islamischem Grabfeld weit entfernt liegt.
Wie können Sie vorsorgen?
Halten Sie Ihre Wünsche schriftlich fest: Waschung, Totengebet, Ort des Grabes oder Überführung. Eine Bestattungsverfügung hilft Ihrer Familie, schnell zu handeln. Islamische Verbände bieten eigene Bestattungsfonds an. Der Fonds der DITIB übernimmt laut DITIB Freiburg die Kosten der Überführung in die Türkei oder einer Bestattung in Deutschland, nicht aber Grab und Beisetzung am Ort. Ein Bestattungsvorsorgevertrag mit einem Bestattungshaus legt dagegen Ablauf und Kosten einer Bestattung in Deutschland fest. Vergleichen Sie beides in Ruhe. Alle Formen finden Sie unter Bestattungsarten im Überblick.
Häufige Fragen
Ist eine Feuerbestattung im Islam erlaubt?
Nein. Der Leichnam muss beerdigt werden; eine Feuerbestattung darf laut dem Beauftragten für Medizinethik des Zentralrats der Muslime „unter keinen Umständen“ stattfinden (islam.de, 2020). Klären Sie Einzelfragen mit Ihrer Gemeinde.
Kann die Beisetzung am Tag nach dem Tod stattfinden?
Das ist schwierig, weil in Deutschland meist eine Wartefrist von 48 Stunden gilt. Die Gemeinde kann auf Antrag eine frühere Bestattung erlauben. Ihr Bestatter kennt die örtliche Praxis.
Wer wäscht den Verstorbenen?
Muslime gleichen Geschlechts, oft Angehörige oder erfahrene Gemeindemitglieder. Fragen Sie das Bestattungshaus vorab nach einem geeigneten Raum.
- Positionspapier Bestattung anderer Kulturkreise, Aeternitas e.V., November 2018
- Grundstein für ersten islamischen Friedhof in Wuppertal gelegt, Zentralrat der Muslime in Deutschland (islam.de), September 2026
- Islamische Bestattung, Wikipedia, abgerufen 10/2026 (Zweitquelle zum rituellen Ablauf)
- Pressemitteilung zur Sargpflicht, Aeternitas e.V., 05.11.2025
- § 18 Bestattungsverordnung Bayern, gesetze-bayern.de, abgerufen 10/2026
- Novellierung des Bestattungsgesetzes Sachsen-Anhalt, Bundesverband Deutscher Bestatter, 2025
- Islamischer und medizinethischer Umgang mit muslimischen COVID-19-Verstorbenen/Bestattungen, Dr. M. Zouhair Safar Al-Halabi, ZMD-Beauftragter für Medizinethik, islam.de, 13.05.2020
- Bestattungsfonds, DITIB Freiburg, abgerufen 17.10.2026
- Überführung ins Ausland (Zinksarg, Leichenpass), bestattungen.de, aktualisiert 25.06.2024 (Zweitquelle)