Wenn weder der Nachlass noch Ihr eigenes Geld reicht, übernimmt das Sozialamt die erforderlichen Kosten einer einfachen, würdigen Bestattung (§ 74 SGB XII). Den Antrag stellen Sie beim Sozialamt, das den Verstorbenen zuletzt unterstützt hat, sonst beim Sozialamt des Sterbeorts (§ 98 Abs. 3 SGB XII). Laut Aeternitas geht das auch noch, wenn der Bestatter schon beauftragt ist.
Stand: Oktober 2026
Ein Todesfall lässt wenig Zeit, und die Rechnung des Bestatters kommt schnell. Niemand muss deshalb Schulden machen, um einen Angehörigen würdig zu bestatten. Diese Seite zeigt Schritt für Schritt, was Sie jetzt tun können.
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Was tun Sie zuerst?
- Sozialamt früh informieren Rufen Sie an oder schreiben Sie formlos, dass Sie die Übernahme der Bestattungskosten beantragen. Eine Antragsfrist gibt es laut Aeternitas nicht, ein später Antrag kann aber Nachfragen auslösen.
- Einfache Bestattung beauftragen Sagen Sie dem Bestatter offen, dass Sie eine Kostenübernahme beantragen. Lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben.
- Unterlagen sammeln Nachweise über Ihr Einkommen und Vermögen, Miete, die Sterbeurkunde und Angaben zum Nachlass.
- Nachlass klären Konto, Sterbegeldversicherung oder Vorsorgevertrag des Verstorbenen werden zuerst angerechnet.
Wer zahlen muss, bevor das Sozialamt einspringt, erklärt die Seite Wer zahlt die Beerdigung?
Muss der Antrag vor dem Auftrag gestellt werden?
Nein. Laut Aeternitas steht es dem Anspruch nicht entgegen, wenn Sie den Bestatter schon beauftragt, die Bestattung durchgeführt oder die Rechnung bezahlt haben. Erstattet werden dann die Kosten, die auch bei einem früheren Antrag übernommen worden wären.
Ein früher Antrag hat trotzdem Vorteile. Das Sozialamt kann eine Kostenübernahmeerklärung ausstellen, mit der der Bestatter direkt abrechnet. Prüft das Amt länger, kann es in einer Notlage vorleisten. Stellt sich später heraus, dass Ihnen die Kosten doch zuzumuten waren, müssen Sie das Geld zurückzahlen (§ 19 Abs. 5 SGB XII).
Was zahlt das Sozialamt?
Übernommen werden die Kosten einer einfachen, aber würdigen und ortsüblichen Bestattung. Sie haben die Wahl zwischen Erd- und Feuerbestattung. Eine anonyme Beisetzung müssen Sie nicht hinnehmen, wenn der Verstorbene sie nicht gewünscht hat.
| Wird in der Regel übernommen | Wird in der Regel nicht übernommen |
|---|---|
| Einfacher Sarg, Einäscherung, Überführung | Dauergrabpflege |
| Hygienische Versorgung, Beschaffung der Urkunden | Traueranzeigen in der Zeitung |
| Friedhofsgebühren, Reihengrab | Trauerkaffee |
| Trauerhalle, Sargträger, Trauerredner | Trauerkleidung, Reisekosten |
| Erstanlage des Grabes mit Holzkreuz oder Grabkissen | Pauschalen ohne Einzelnachweis |
Quelle: Aeternitas, Ratgeber Sozialbestattung, 2020. Maßgeblich ist die Prüfung im Einzelfall.
Mehrkosten für Wünsche, die über diesen Rahmen hinausgehen, tragen Sie selbst. Was eine schlichte Bestattung kostet, zeigt Günstige Bestattung.
Wann gilt die Bestattung als „nicht zumutbar“?
Das Sozialamt prüft Ihr Einkommen und Ihr Vermögen und Ihre Beziehung zum Verstorbenen. Reicht der Nachlass, ist die Zahlung zumutbar, auch wenn er dadurch ganz aufgebraucht wird. Nicht zumutbar ist sie zum Beispiel, wenn Sie selbst Sozialhilfe beziehen.
Das Bundessozialgericht hat 2019 entschieden, dass das Amt die Kosten nicht pauschal auf mehrere Monatseinkommen verteilen darf (Urteil vom 4.4.2019, B 8 SO 10/18 R). Geprüft werden darf aber, ob Ratenzahlung beim Bestatter oder vorhandenes Vermögen zumutbar sind.
Was passiert, wenn sich niemand kümmert?
Dann veranlasst die Ordnungsbehörde die Bestattung, in Sachsen etwa die Ortspolizeibehörde (§ 10 Abs. 3 SächsBestG). Die Kosten tragen trotzdem die Bestattungspflichtigen: Die Behörde setzt sie per Leistungsbescheid fest, mehrere Pflichtige haften gemeinsam. Wer sich selbst kümmert und den Antrag stellt, behält dagegen Einfluss auf Ort und Form des Abschieds.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse ein Sterbegeld?
Das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen ist mit dem GKV-Modernisierungsgesetz zum 1. Januar 2004 weggefallen. Welche Leistungen es noch gibt, steht unter Sterbegeld von der Krankenkasse.
Was gilt, wenn mehrere Geschwister verpflichtet sind?
Jedes Kind stellt den Antrag für seinen eigenen Anteil. Weigern sich Geschwister, sollte das Sozialamt nach Aeternitas die gesamten Kosten ersetzen, wenn Sie sich ernsthaft, aber vergeblich um deren Anteil bemüht haben.
Hilft eine Ausschlagung des Erbes?
Sie schützt vor Schulden des Verstorbenen, nicht vor der Bestattungspflicht. Mehr dazu unter Muss ich die Beerdigung meiner Eltern bezahlen?
Alle Einzelheiten zum Antrag finden Sie auf unserer Seite Sozialbestattung. Weitere Antworten sammelt die Übersicht Häufige Fragen.
- § 74 SGB XII Bestattungskosten, Bundesamt für Justiz, abgerufen Oktober 2026
- § 98 SGB XII Örtliche Zuständigkeit, Bundesamt für Justiz, abgerufen Oktober 2026
- Ratgeber Sozialbestattung, Aeternitas e. V., 2020
- BSG zu den Voraussetzungen der Sozialbestattung (B 8 SO 10/18 R), Legal Tribune Online, 2019
- Sächsisches Bestattungsgesetz, § 10 Abs. 3, Freistaat Sachsen, abgerufen Oktober 2026
- Bundessozialgericht, Urteil vom 13.06.2006, B 8 KN 1/05 KR R (Wegfall des Sterbegelds zum 1. Januar 2004), lexetius.com