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Vorsorge

Bestattungsvorsorge kündigen: Rechte und Folgen

Text: Redaktion Abschiedswunsch
Fachlich geprüft: Bestattermeister:in
Stand: Oktober 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Einen Bestattungsvorsorgevertrag können Sie als Kunde in der Regel jederzeit kündigen, weil er überwiegend als Werkvertrag gilt (§ 648 BGB). Das Bestattungshaus darf dann einen Teil der Vergütung behalten, gesetzlich vermutet sind 5 Prozent der noch nicht erbrachten Leistung. Das Treuhandgeld fließt nach den Treuhandbedingungen zurück. Beim Sozialamt kann eine Kündigung den Schutz der Vorsorge kosten.

Stand: Oktober 2026

Gründe für eine Kündigung gibt es viele: ein Umzug, ein anderer Wunsch, Streit mit dem Bestattungshaus oder schlicht Geldnot. Bevor Sie kündigen, sollten Sie drei Dinge kennen: was das Gesetz erlaubt, was Ihr Vertrag regelt und was die Kündigung für einen späteren Antrag auf Sozialhilfe bedeutet. Diese Seite erklärt alle drei.

Aus welchen Verträgen besteht eine Bestattungsvorsorge?

Meist sind es zwei Verträge, die getrennt gekündigt werden:

Bestattungsvorsorgevertrag

Der Vertrag mit dem Bestattungshaus. Er legt fest, welche Leistungen es später erbringt und zu welchem Preis. Rechtlich ist er ein gemischter Vertrag, der überwiegend dem Werkvertragsrecht folgt.

Treuhandvertrag

Der Vertrag mit der Treuhandstelle, die das Geld verwahrt. Ihre Ansprüche auf Auszahlung treten Sie darin meist an das Bestattungshaus ab, damit das Geld sicher für die Bestattung verwendet wird.

Wer statt einer Treuhand eine Sterbegeldversicherung nutzt, kündigt stattdessen die Versicherung. Dafür gelten andere Regeln, siehe unten.

Was darf das Bestattungshaus bei einer Kündigung behalten?

Nach § 648 BGB kann der Besteller einen Werkvertrag bis zur Vollendung des Werkes jederzeit kündigen. Das Bestattungshaus behält dann seinen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung, muss sich aber ersparte Aufwendungen anrechnen lassen. Das Gesetz vermutet, dass ihm 5 Prozent der Vergütung für den noch nicht erbrachten Teil zustehen. Diese Vermutung kann jede Seite widerlegen.

Ein Beispiel zur Größenordnung: Bei einem Vorsorgevertrag über 6.000 Euro, von dem noch nichts erbracht ist, wären das nach der gesetzlichen Vermutung 300 Euro. Hat das Bestattungshaus höhere Kosten, muss es diese nachweisen. Hat es weniger Aufwand gehabt, können Sie das nachweisen.

Wie bekommen Sie das Treuhandgeld zurück?

Das regeln die Treuhandbedingungen. Am Beispiel der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG, einer Einrichtung des Bundesverbands Deutscher Bestatter:

  1. Kündigungsfrist Der Treuhandvertrag läuft zunächst zwei Jahre und verlängert sich dann jährlich. Er kann ganz oder teilweise mit einer Frist von einem Monat zum Monatsende gekündigt werden (Ziffer 6).
  2. Auszahlung an das Bestattungshaus Weil Sie Ihre Ansprüche abgetreten haben, wird der fällige Betrag zunächst an das Bestattungshaus ausgezahlt (Ziffer 7).
  3. Auszahlung an Sie Gibt das Bestattungshaus das Geld frei, zahlt die Treuhand direkt an Sie aus (Ziffer 7).
  4. Keine Zinsen Die Treuhand schuldet keine Verzinsung. Sie sichert den eingezahlten Betrag über eine Ausfallbürgschaft einer deutschen Bank (Ziffern 2 bis 4).

In der Praxis heißt das: Kündigen Sie beide Verträge und vereinbaren Sie mit dem Bestattungshaus schriftlich, welchen Betrag es nach § 648 BGB einbehält und dass es den Rest freigibt. Andere Treuhandstellen haben eigene Bedingungen. Mehr zur Mechanik unter Treuhandkonto für die Bestattung.

Sieschließen den Vorsorgevertrag mit dem Bestattungshaus
zahlen ein
Treuhandkontogetrennt vom Vermögen des Bestattungshauses, durch Bankbürgschaft gesichert
im Sterbefall gegen Rechnung
Bestattungshausführt die vereinbarte Bestattung aus
So fließt das Geld bei einer Bestattungsvorsorge mit Treuhand. Schließt das Bestattungshaus, bleibt das Treuhandguthaben für Ihre Bestattung erhalten. Abschiedswunsch nimmt zu keinem Zeitpunkt Geld an.

Was bedeutet die Kündigung beim Sozialamt?

Das ist der wichtigste Punkt. Eine angemessene Bestattungsvorsorge muss für Sozialhilfe in der Regel nicht aufgelöst werden, weil das eine Härte wäre (§ 90 Abs. 3 SGB XII; BSG, 18.03.2008, B 8/9b SO 9/06 R). Dieser Schutz hängt am Zweck: Das Geld ist für die Bestattung gebunden.

Kündigen Sie, entfällt dieser Zweck. Das zurückgezahlte Geld ist dann normales Vermögen. Wer Hilfe zur Pflege oder Grundsicherung bezieht oder beantragt, muss es bis auf den Schonbetrag von 10.000 Euro einsetzen (Verordnung zu § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII). Schon der Rückzahlungsanspruch nach einer Kündigung kann als verwertbares Vermögen zählen.

Und wenn Sie eine Sterbegeldversicherung kündigen?

Dann zahlt der Versicherer den Rückkaufswert (§ 169 VVG). Er liegt laut Verbraucherzentrale oft weit unter den eingezahlten Beiträgen. Abschluss- und Vertriebskosten werden dabei auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilt. Prüfen Sie vorher, ob Sie den Vertrag beitragsfrei stellen oder die Beiträge stunden können. Innerhalb von 30 Tagen nach Abschluss können Sie eine Lebensversicherung ohne Angabe von Gründen widerrufen (§ 152 VVG).

Kündigen oder ändern?

Oft ist eine Änderung besser als eine Kündigung. Ein anderer Bestattungswunsch lässt sich meist im bestehenden Vertrag anpassen. Bei einem Umzug kann ein anderes Bestattungshaus übernehmen. Was dabei gilt, steht unter Bestattungsvorsorge und Umzug.

Häufige Fragen

Kann ich nach Vertragsschluss widerrufen?

Wurde der Vertrag außerhalb der Geschäftsräume oder online geschlossen, haben Sie in der Regel 14 Tage Widerrufsrecht (§§ 312g, 355 BGB). Die Treuhand des Bundesverbands Deutscher Bestatter belehrt in ihren Vertragsbedingungen über ein 14-tägiges Widerrufsrecht.

Dürfen meine Erben die Vorsorge nach meinem Tod kündigen?

Viele Verträge schließen das aus, damit Ihre Wünsche auch umgesetzt werden. Laut der in ZErb 4/2026 besprochenen Entscheidung kann ein solcher Ausschluss wirksam sein.

Was passiert bei Insolvenz des Bestattungshauses?

Dann müssen Sie nicht kündigen, um an Ihr Geld zu kommen: Bei der Treuhand des Bundesverbands geht die Auszahlung in diesem Fall direkt an Sie. Mehr unter Was passiert mit dem Vorsorgegeld, wenn der Bestatter schließt?

Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Zur Übersicht: Bestattungsvorsorge.

  1. § 648 BGB (Kündigungsrecht des Bestellers), gesetze-im-internet.de
  2. Werkvertragliche Bestattungsvorsorge: wirksamer Ausschluss der ordentlichen Kündigung durch Erben, ZErb 04/2026, Haufe (Leitsätze; Gericht und Aktenzeichen vor Livegang ergänzen)
  3. Vertragsbedingungen Bestattungsvorsorge-Treuhandvertrag, Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG, abgerufen Oktober 2026
  4. § 90 SGB XII und § 1 Verordnung zu § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII, gesetze-im-internet.de
  5. Bundessozialgericht, Urteil vom 18.03.2008, B 8/9b SO 9/06 R; Einordnung als überwiegend werkvertraglicher Vertrag und Rückzahlungsanspruch als Vermögen: IWW, Sozialrecht aktuell
  6. § 355 BGB (Widerrufsrecht), gesetze-im-internet.de
  7. § 169 VVG und § 152 VVG, gesetze-im-internet.de
  8. Sterbegeldversicherungen rechnen sich oft nicht, Verbraucherzentrale, Stand 29.01.2025

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